23. April 2026
Frieden fällt nicht vom Himmel Cesare Zucconi über Verantwortung, Kompromisse und die Kraft der Zivilgesellschaft
Sant'Egidio
Die Gemeinschaft Sant’Egidio engagiert sich seit Jahrzehnten weltweit in Friedensprozessen und sozialen Initiativen. Internationale Bekanntheit erlangte sie 1992 durch ihre erfolgreiche Vermittlung im Mosambik-Konflikt. Cesare Zucconi ist derzeitiger Vizepräsident. www.santegidio.org
Karl Brunner, geistlicher Assistent des KVW, führte in den Abend ein und unterstrich den Zusammenhang zwischen dem konkreten Einsatz für soziale Gerechtigkeit und der Friedensarbeit. Eugen Runggaldier, Generalvikar der Diözese, erinnerte an die franziskanische Spiritualität mit deutlichen Friedensimpulsen. Werner Atz, Geschäftsführer des KVW, hob die Bedeutung der Sozialverbände wie den KVW als Garanten für den Frieden in unserer Gesellschaft hervor, Kitty de Guelmi für die Acli und die Diözesankommission für Arbeit und soziale Gerechtigkeit betonte die große Bedeutung des Friedens für unsere Gesellschaften.
Zucconi, der an internationalen Friedensprozessen – unter anderem beim Friedensabkommen im Bürgerkrieg von Mosambik – beteiligt war bzw. ist, betont: „Frieden fällt nicht vom Himmel. Er erfordert Zeit, Geduld, Dialog und die Bereitschaft zum Kompromiss.“ Gerade dieser werde heute oft zu Unrecht abgelehnt. Doch ohne Kompromisse sei kein Ausweg aus Konflikten möglich. Derzeit schwelen 56 Konflikte auf der ganzen Welt und über 90 Ländern sind direkt oder indirekt daran beteiligt.
Mit Blick auf die aktuelle Weltlage zeigt sich Zucconi besorgt: Kriege würden zunehmend als legitimes Mittel wahrgenommen und endeten selten von selbst. Stattdessen verhärten sich Fronten, während das Leid der Zivilbevölkerung in den Hintergrund rücke. „Die ersten, die den Preis zahlen, sind die Schwächsten“, so Zucconi.
Umso wichtiger seien Menschen, die sich aktiv für Frieden einsetzen. Frieden brauche Vermittler, die Vertrauen schaffen, zuhören und Dialog ermöglichen. Sant’Egidio werde, als Mittler auch deshalb akzeptiert, weil es keine direkten Interessen verfolge. Die europäische Geschichte zeige, dass Versöhnung möglich ist, wenn der politische Wille vorhanden ist.
Eine zentrale Rolle sieht Zucconi bei der Zivilgesellschaft: „Wir dürfen nicht in Ohnmacht oder Gleichgültigkeit verfallen.“ Bürgerinnen und Bürger seien aufgerufen, ihre Stimme zu erheben, demokratische Werte zu verteidigen und der wachsenden Kultur des Konflikts entgegenzutreten.
Frieden beginne dabei im Kleinen – in Familien, Nachbarschaften und Gemeinden. Zuhören, respektvolle Sprache und der Einsatz für Ausgegrenzte seien konkrete Schritte hin zu einer friedlicheren Gesellschaft. „Der Frieden ist eine Baustelle, die allen offensteht und er ist immer auch ein wenig ungerecht, weil nicht alle Forderungen einer oder mehrere Parteien erfüllt werden können!“ erinnert Zucconi.
Der Verband