6. März 2026

80 Jahre Patronat KVW ACLI Hilfe bei sozialen Rechten bleibt gefragt

Seit 80 Jahren begleitet das Patronat KVW ACLI Menschen in Südtirol bei Fragen der sozialen Vorsorge und Fürsorge. Das Jubiläum wurde nun in Bozen gefeiert. Gegründet wurde das Patronat am 1. Juni 1946, in einer Zeit, in der viele Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg Unterstützung bei Rentenansprüchen und Sozialleistungen benötigten.

Damals hatten über 3.000 Südtirolerinnen und Südtiroler Anspruch auf eine Altersrente, wussten jedoch nicht, wie sie diese beantragen konnten. Patronatssitze, um nahe bei den Bürger:innen zu sein, wurden deshalb im Laufe der Jahrzehnte im ganzen Land aufgebaut – heute gibt es sieben Sitze des Patronats KVW ACLI in Südtirol.

„Information, Aufklärung, Antragstellung und Kontrolle gehören seit jeher zu den zentralen Aufgaben des Patronats“, erklärte Direktorin Elisabeth Scherlin, die das Patronat seit mehr als 20 Jahren leitet. Mit der Zeit seien die Verfahren allerdings deutlich komplexer geworden.

Wie stark die Dienste weiterhin genutzt werden, zeigen aktuelle Zahlen: Die 23 Mitarbeitenden des Patronats bearbeiteten im vergangenen Jahr mehr als 55.000 Aktenvorgänge. Darunter waren unter anderem 1.742 Rentenverfahren, 2.833 Anträge auf Arbeitslosengeld (NASPI), 796 Pflegegeldanträge sowie mehrere tausend Überprüfungen von Versicherungspositionen. Hinzu kommen zahlreiche Beratungen per Telefon, E-Mail oder persönlich, die nicht in einen Antrag münden.

Auch die Arbeitsweise hat sich im Laufe der Jahrzehnte stark verändert. Während früher Papierformulare und persönliche Kontakte mit Behörden den Alltag bestimmten, läuft heute vieles digital. Die langjährige Mitarbeiterin Mariagrazia Trecarrichi Scavuzzo erinnerte daran, wie in den Anfangsjahren Stapel von Anträgen vom Patronatssitz in der Südtiroler Straße zum INPS-Hauptsitz am Dominikanerplatz getragen werden mussten. Gleichzeitig sei durch die Digitalisierung ein Teil des direkten Austauschs mit Behörden verloren gegangen.

Die ehemalige Soziallandesrätin Martha Stocker betonte bei der Feier die Bedeutung der menschlichen Komponente in der Beratung: „Die Mittel haben sich verändert, die Aufgabe und die notwendige Empathie sind gleichgeblieben.“ Wichtig sei, dass die Menschen informiert werden und Entscheidungen selbst treffen können.

Ein besonderer Dank galt auch den ehrenamtlichen Soziallotsen, die damals wie heute in vielen Gemeinden Informationen weitergeben und Menschen bei sozialen Fragen unterstützen. Dies wurde auch in den Grußworten von Werner Steiner, KVW Vorsitzender, Kitty de Guelmi, Präsidentin der ACLI in Bozen und Soziallandesrätin Rosemarie Pamer betont.

Bei einer Podiumsdiskussion unter der Leitung von KVW-Geschäftsführer Werner Atz verwies die EURAC-Forscherin Sonja Vigl auf die weiterhin große Bedeutung der Patronate. Verbesserungen seien etwa bei der Digitalisierung von Verfahren, in der Zusammenarbeit mit der öffentlichen Verwaltung sowie in der Weiterbildung der Mitarbeitenden möglich.

Patronatspräsidentin Margareth Fink forderte in diesem Zusammenhang auch eine gesicherte Finanzierung. Das Patronat wird derzeit durch staatliche und regionale Mittel, Spenden sowie durch den „Tag der Solidarität“ finanziert, der jährlich am dritten Fastensonntag begangen wird. Seit einigen Jahren wird zudem für bestimmte Dienstleistungen ein kleiner Beitrag eingehoben.

Auch der aus Rom angereiste nationale Patronatsdirektor Paolo Ricotti hob die Rolle der Patronate hervor. Sie seien eine „Heimat der Rechte“, in der Menschen Unterstützung und Orientierung finden. Das Patronat ACLI ist weltweit tätig und bietet Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auch im Ausland Unterstützung.

Trotz Digitalisierung und neuer Informationskanäle bleibe der persönliche Beistand wichtig, waren sich die Beteiligten einig. Das Patronat ACLI wolle deshalb auch in Zukunft Menschen dabei helfen, ihre sozialen Rechte wahrzunehmen.