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Tag der Solidarit├Ąt 4. März 2018

Vortrag mit Paul Zulehner

Am Sonntag, 4. März, wird in der Diözese Bozen-Brixen der Tag der Solidarität begangen.
Am Montag, 26. Februar fand ein Vortrag mit Paul Zulehner statt. Der österreichische Theologe und Priester sprach im Pastoralzentrum in Bozen zum politischen Aspekt der Solidarität. Eine Audio-Datei vom Vortrag ist auf der Homepage zu finden.

In der Diözese Bozen-Brixen wird der Tag der Solidarität am dritten Fastensonntag begangen, in diesem Jahr fällt er am 4. März mit den Parlamentswahlen zusammen. Dies – und die in diesem Jahr noch anstehenden Wahlen – nimmt Bischof Ivo Muser zum Anlass für einen „Aufruf zur engagierten Wahlbeteiligung, sowohl passiv als auch aktiv“. Der Brief des Bischofs mit dem Titel „Grenzenlose Solidarität: Als Christen und Christinnen wählen!“ wird an alle Pfarreien verschickt.
In seinem Brief betont Muser, dass die Kirche überparteilich sein müsse. „Sie darf jedoch nicht unpolitisch und unparteiisch sein“, schreibt der Bischof. „Sie steht auf der Seite der Schwächeren und setzt sich für mehr soziale Gerechtigkeit ein, für die Bewahrung der Schöpfung und für ein friedliches Miteinander der Menschen.“ Auf dem Hintergrund des Evangeliums, unterstreicht Muser, „wollen wir als Christen in unseren alltäglichen Lebensentscheidungen und in unserem politischen Engagement für Solidarität und Mitmenschlichkeit einstehen“.
In seinem Brief lädt der Bischof deshalb alle Wähler ein, die Programme und Aussagen der Parteien und von deren Kandidaten vor diesem Hintergrund zu beurteilen. Er formuliert zudem zwölf Fragen, die bei der Beurteilung helfen können.
 
Der Brief des Bischofs zum Tag der Solidarität

Einladung, nicht Angst zu haben

Paul Zulehner richtet den Blick an den Rand

Grenzenlos solidarisch handeln war das Thema von Paul Zulehner bei seinem Vortrag in Bozen. Er sprach davon, dass eine Politik der Gerechtigkeit so gemacht werden muss, dass morgen weniger Menschen Sozialhilfe brauchen.   
 
Der Moraltheologe Paul Zulehner aus Wien war Referent der Studientagung zum Tag der Solidarität, den die Diözese und das Patronat KVW-ACLI am dritten Fastensonntag begehen. Er sprach zum Thema „Grenzenlose Solidarität – als ChristInnen wählen“.
Laut Umfragen wären die Menschen gerne solidarisch. Die Realität zeige aber, dass „wir uns heute schwer tun mit solidarischen Taten“, stellte Paul Zulehner fest. Der Wunsch nach Solidarität erstickt also auf dem langen Weg zur Tat, meist im Dschungel der Angst.
„Angst entsolidarisiert. Solidarität wächst auf dem Boden des Vertrauens“, sagte Zulehner. Und hier sind die politischen Vertreterinnen und Vertreter gefragt: sie dürften nicht Politik mit der Angst machen, sondern durch ihre Politik sollten sie Vertrauen schaffen.
Die Kirche könne der Politik Mut machen, diesen Weg zu gehen, damit die Angst nicht die Oberhand behält.
Die Kirche ist zwar keine politische Partei, aber sie ist „politisch parteilich“, so Zulehner. Ihre Aufgabe sei es dort hinzuschauen, wo andere wegschauen, im Namen Gottes Partei zu ergreifen, Anwältin für eine Welt mit menschlichem Antlitz sein, und die Kirche dürfe nicht schweigen, wenn Rechte der Menschen bedroht sind.
In diesem Zusammenhang nannte Paul Zulehner den Bischofsbrief von Ivo Muser zu den anstehenden Parlamentswahlen „eine kantige Intervention“. Die dort angeführten zwölf Punkte führen zu einer Politik mit mehr Gerechtigkeit.
 
Einer der Leitsätze, die Zulehner beim Vortrag in Bozen erläuterte, lautet: „Wer sein Knie vor Gott beugt, beugt es nie mehr vor der Partei“. Glaubende, die eine Rückbindung an Gott haben, sind resistent gegen totalitäre Systeme. Zulehner verwendete dafür den englischen Begriff „to be connected“, also verbunden sein.
Im Matthäusevangelium steht „als Jesus vom Berg herabstieg“. Jesus ging auf den Berg um in Gott einzutauchen, mit ihm in Verbindung zu sein. Dies ist ein mystisches Element. Zulehner stellte die Frage, wo die Berge sind, wo die Gottesorte sind. „Wo taucht Jesus auf? Bei jenen, die an den Rändern des Lebens und der Gesellschaft sind, die ganz unten sind“, sagte Zulehner. Sein Leitsatz dazu „Wer in Gott eintaucht, taucht bei den Armen auf! Und umgekehrt.“ Jesus holt sie ins Leben zurück, wir verwenden heute das Wort integrieren dafür.
In der Spur Jesu gehen heißt also, bei denen auftauchen, die die Aussätzigen sind. Übertragen in die heutige Zeit falle einem dazu einige ein, meinte Zulehner. Er nannte unter anderem alte Menschen, die einsam sind, Junge, die keine Arbeit finden, Flüchtlinge.
Ganz klare Worte findet dafür Papst Franziskus, der die Christen immer wieder dazu auffordere, an die Ränder zu gehen.