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Heinrich Fliri (Foto: Maria Lobis)

Das Wir vor dem Ich

5. Dezember, Tag des Ehrenamtes: Heinrich Fliri vom KVW

Mitgestalten will er, im Mittelpunkt stehen weniger. Gemeinsam für andere etwas zu bewegen spornt ihn an – für jene zu kämpfen, die in der öffentlichen Diskussion nicht sichtbar sind. Für seinen Einsatz wird Heinrich Fliri in Schlanders auch der „KVW Heini“ genannt. Das mag er. Es gebe viele Menschen, die Unterstützung bräuchten, sagt er. Für sie ist er Lobbyist.
 
Schlanders war dem heute 60-Jährigen fremd, als er 1979 arbeitsbedingt von Naturns weg und in den Vinschger Hauptort zog. Der KVW habe ihm Zugang zu den Menschen verschafft,seine umgängliche Art tat ihres dazu. „Ich bin gefragt worden und habe zugesagt“, erinnert er sich. Er wurde Mitglied der Schlanderser KVW Ortsgruppe, bald Schriftführer, zehn Jahre nach seinem Eintritt zum Ortsvorsitzenden gewählt, später zum Bezirksvorsitzenden. Beides ist er bis heute geblieben.
 
Seit Herbst ist er in Pension, aber schon in den Jahrzehnten davor hat er viel Zeit für die 42 Vinschger Ortsgruppen des KVW aufgewandt. Mit der Unterstützung seiner Frau und der beiden mittlerweile erwachsenen Töchter konnte er immer rechnen. „Der familiäre Rückhalt ist wichtig im Ehrenamt“, sagt er. Auch seine Arbeitgeber zeigten sich verständnisvoll. Heinrich Fliri ist in einer Großfamilie auf einem Bergbauernhof in Naturns aufgewachsen. Das Zusammenschauen hat er von Klein auf gelernt, der soziale Gedanke des KVW hat ihn aus deshalb angesprochen.
 
„Wir müssen uns für Menschen in schwierigen Situationen bewegen“, sagt er. Es sei wichtig, ihnen zuzuhören, Entwicklungen zu beobachten, öffentlich aufzustehen und Verbesserungen anzuregen. Das im KVW erarbeitete Wissen um die Nöte der Menschen erleichterte Heinrich Fliri die Arbeit im Gemeinderat: Von 1995 bis 2015 brachte er sichpolitisch ein, zehn Jahre lang als Referent, unter anderem für Soziales.
 
Schlanders mitgestalten wolle er auch künftig, sagt Heinrich Fliri. Mit einem starken Verband im Rücken ist das einfacher. Aber das allein genügt nicht: Man müsse informiert sein, sich der Diskussion stellen, den Dialog zulassen, den Kompromiss suchen und nie stehen bleiben. Dass die gesundheitliche Nahversorgung im Krankenhaus von Schlanders aufrecht geblieben ist, habe maßgeblich mit dem Einsatz des KVW zu tun, erklärt Heinrich Fliri nicht ohne Stolz. Zusammen mit Vinschger Organisationen und Verbänden wurden 3.000 Menschen mobilisiert. Sie demonstrierten, sagten Nein zu den geplanten Kürzungen. Der Aufstand hat sich gelohnt, Arbeitsplätze konnten erhalten werden, die Bevölkerung bekommt in der Peripherie weiterhin breite medizinische Hilfe.
 
Der KVW Ortsvorsitzende verschafft sich einen Überblick über den Haushaltsplan der Gemeinde, prangert mit seinem Verband Gebührenerhöhungen an, unterstützt Angebote für die Jugend und für ältere Menschen, engagierte sich beim Umbau des Altersheimes. „Welche Zukunft wollen wir?“, fragt er jedes Mal. Und er plädiert: „Fördern wir ein gutes Leben für alle und schauen wir nicht nur auf das Wohl einiger weniger.“
 
Dass er alleine nichts erreichen könne, betont er immer wieder. Die Arbeit in der Gruppe sei das Um und Auf – die gute Absprache und dass jede und jeder Gestaltungsspielraum habe, um sich mit den vorhandenen Fähigkeiten einzubringen.
Wenngleich es heute viel schwieriger geworden ist, Ehrenamtliche für den KVW zu finden, so ist Heinrich Fliri überzeugt, dass das gemeinsame Dasein für andere für viele Menschen sinnstiftend ist. „Ehrenamt muss auch Spaß machen“, sagt er. Feiern ist ihm wichtig, das Wertschätzen und Danken für den freiwilligen Einsatz auch. Im Ortsausschuss von Schlanders engagieren sich 13 Menschen, zehn Mal im Jahr treffen sie sich zu Sitzungen, fast immer vollzählig. Sie beteiligen sich beim  Dorffest, stellen Weiterbildungen zu Hauswirtschafts-Themen auf die Beine und unterstützen Veranstaltungen anderer Vereine.
 
Auf Bezirks- und Landesebene beteiligt sich Heinrich Fliri an weiteren Sitzungen, mit den hauptamtlichenMitarbeitern im Bezirksbüro arbeitet er Hand in Hand. Kooperation mit anderen Vereinen macht vieles möglich. Um die Integration von neuen Mitbürgern zufördern, hat der KVW Schlanders mit Unterstützung der KVW Bildung, in Zusammenarbeit mit dem Sprachenzentrum und der Caritas Migrationsberatung „Flori“ vier Treffen für eingewanderte Frauen organisiert, ihnen die hiesige Kultur und Vinschger Gepflogenheiten nähergebracht. Aus vier Treffen sind acht geworden. Darüber freut sich Heinrich Fliri. „Wir wollen unseren Beitrag für eine gelingende Integration leisten“, sagt er. Sozial schwächere Menschen sollen ein menschenwürdiges Leben führen können. Wenn es ihnen gut gehe, gehe es allen besser.
 
Auch wenn er sich um die zunehmende Abwanderung, über die Vereinsamung vieler Menschen, um Zentralisierungsbestrebungen auf vielen Ebenen sorgt, baut er auf das Verständnis der Bevölkerung: „Die Vinschger kennen die Geschichte ihrer Vorfahren. Viele von ihnen sind ausgewandert, um Arbeit zu finden und dem Hunger zu entfliehen.“ In herausfordernden Situationen bräuchten die Menschen Informationen, Gespräche und Fakten. Dann ließen sie sich auch überzeugen. Ehrenamtliches Engagement hingegen brauche Mut, Kompetenz, Zivilcourage und das Eingeständnis von Fehlern. Man müsse überlegt an Sachen herangehen, Machbares fordern, oftmals zäh ringen und vernetzt arbeiten. Lösungen und Kompromisse seien mit Ausdauer und klugen Argumenten zu erreichen. „Und nur in der Gruppe“: Das betont Heinrich Fliri beim Abschied noch einmal