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Praktische Tipps

 

Stürze vermeiden

Sturzfolgen sollten Sie nicht unterschätzen! Beugen Sie Unfällen vor. Lesen Sie dazu praktische Tipps:

Tipp Eins: Sichere und geeignete Schuhe
Sind die warmen Filzpatschen wirklich das Richtige für Sie?
Funktionelle Probleme, Hühneraugen und andere Beschwerden führen bei älteren Menschen oft dazu, dass zu Hause keine geeigneten Schuhe getragen werden. Das falsche Schuhwerk stellt aber ein erhebliches Sturzrisiko dar.
Welche Schuhe sind ungeeignet? Ungeeignet sind zu große oder ausgetretene Hausschuhe, da sie dem Fuß keinen Halt bieten. An der Ferse offene Schuhe sind zwar bequem anzuziehen, begünstigen aber Unsicherheiten im Gehen. Die Aufmerksamkeit und die Konzentration auf das Gehen wird durch das „Krallen“ der Zehen abgelenkt. Dies führt zu einer Verstärkung der Unsicherheit beim Gehen. Zu hohe Absätze sowie konisch zulaufende Absätze und ungleich abgelaufene Sohlen bergen ebenfalls ein hohes Risiko.
Welche Schuhe sind geeignet und sicher? Der geeignete Schuh ist an der Ferse geschlossen. Eine höher gezogene Fersenkappe und Klettverschlüsse erleichtern das Anziehen und geben guten Halt. Die Sohle ist rutschfest. Der Absatz sollte maximal 3 cm betragen und auf alle Fälle ein Blockabsatz sein.

Hilfen für das An- und Ausziehen der Schuhe:
Ein langer Schuhlöffel leistet gute Dienste. Hilfreich kann auch eine Greifzange sein (Länge 60 cm) mit deren Hilfe Sie die Schuhe zurechtstellen und Klettverschlüsse schließen können. Schuhbänder können durch Gummizüge ersetzt werden.
Eine Alternative für die Nacht: Beim Aufstehen in der Nacht ist Eile geboten. Schwindel, Sehprobleme und andere Schwierigkeiten führen dazu, dass die Hausschuhe „schlampig“ angezogen werden. Anti –Rutsch- Socken stellen eine sinnvolle Alternative dar. Sie ziehen die Socken beim zu Bett gehen an und sind somit bestens ausgerüstet, wenn Sie aufstehen müssen.


Tipp Zwei: Rund um das Bett
Bei der Gestaltung des Raumes rund um das Bett sollte man besondere Sorgfalt walten lassen. Schwindelattacken, motorisch- funktionelle Probleme oder der Bewegungsdrang von Demenzpatienten erhöhen die Sturzgefahr beim Aufstehen aus dem Bett erheblich.
In vielen Fällen können Sie mit einigen Anpassungen Ihr gewohntes Bett auch weiter benutzen.
Beachten Sie die richtige Betthöhe. Achten sie darauf, dass die Höhe des Bettes Ihrer Körpergröße angepasst ist. Beide Füße sollen fest auf dem Boden aufgesetzt werden können und die Knie in einem Winkel von 90° gebeugt sein. Bei körperlicher Schwäche ist das Aufstehen von einem zu niedrigen Bett sehr beschwerlich. Ebenso darf das Bett nicht so hoch sein, sodass Sie mit den Füssen keinen Bodenkontakt mehr haben. Lassen sie sich von einem Tischler Klötze zur Erhöhung der Bettpfosten anfertigen oder beziehen Sie diese im Hilfsmittelfachhandel.
Bauen Sie Haltehilfe ein.: Der allgemein bekannte und in Krankenhäusern verwendete Bettgalgen ist für die meisten älteren Menschen mit funktionellen Einschränkungen z.B. aufgrund einer Halbseitenlähmung, Parkinson oder Multiple Sklerose nicht geeignet. Meist muss nach individuellen Lösungen gesucht werden. Ein klappbarer Bügelgriff an jener Seite wo Sie bevorzugt vom Bett ein- und aussteigen kann eine gute Hilfe sein.
Passen Sie die Beleuchtung an. Der Lichtschalter soll vom Bett aus gut zu erreichen sein. Eine sichere Alternative ist die Installation eines Bewegungsmelders, sodass Sie beim Aufstehen nachts automatisch Licht haben.
Weitere Hindernisse können sein. Der Bettvorleger muss unbedingt rutschfest sein. Bringen sie einen Stockhalter am Bettrahmen an. Ihr Stock ist somit immer erreichbar und kann nicht zur Stolperfalle werden. Lose Telefonkabel sind gefährlich, ersetzen Sie Ihr Telefon durch ein schnurloses Gerät. Machen Sie es sich außerdem zur Gewohnheit das Telefon bzw. den Notruf mit ans Bett zu nehmen, um gegebenenfalls Hilfe rufen zu können.


Tipp Drei: Der richtige Sessel
Geeignete Sitzmöbel können Bewegungsprozesse unterstützen. Stühle und Sessel sollten so gestaltet sein, dass ein selbständiges und sicheres Hinsetzen und Aufstehen möglich ist. Dies wirkt sich positiv auf das Kreislaufsystem aus und erhält die Beweglichkeit. Außerdem ist dadurch ein natürlicher Dekubitusschutz gegeben, d.h. ein Wundsitzen wird vermieden.
Sitzhöhe: Die Sitzhöhe ist dann optimal, wenn die Knie im 90° Winkel zu den Oberschenkeln gebeugt sind und die Füße fest auf dem Boden aufgesetzt werden können. Für das Aufstehen benötigt man so deutlich weniger Kraft.
Sitzfläche: Die Sitzfläche sollte leicht nach vorne geneigt sein. Dies erleichtert das Aufstehen ebenfalls. Dabei dürfen die Knie aber nicht tiefer als das Gesäß sein, weil der ältere Mensch mit einer Bewegungsbehinderung vom Stuhl rutschen könnte. Sitzkeile sind hier nützliche Hilfsmittel.
Sitzpolster: Die Sitzpolster sollten auf keinem Fall zu weich sein. Die optimale Festigkeit ist gegeben, wenn diese dem Druck der Faust nachgeben aber weiterem Druck widerstehen.
Armlehnen: Stühle und Sessel für Senioren sollten ausnahmslos mit Armlehnen ausgestattet sein, welche bis zum vorderen Rand der Sitzflächen reichen.


Tipp Vier: Die Badewanne
Wohnungen älteren Baudatums sind meist mit einer Badewanne und selten mit einem zusätzlichen Duschplatz ausgestattet. Viele ältere Menschen möchten auf die Gewohnheit des Badens nicht verzichten. Sie nutzen die Badewanne auch um z.B. Teppiche zu waschen oder Wäsche einzuweichen.
Auch wenn Sie noch nicht auf eine Gehilfe oder den Rollstuhl angewiesen sind, bleibt der Einstieg in die Wanne die Hauptsturzursache im Badezimmer. Grundsätzlich ist im Zuge einer Badrenovierung die Entfernung der Badewanne und das Ersetzen mit einer bodenbündigen Dusche zu empfehlen. Dazu mehr in der nächsten Kompass Ausgabe.
Sollten Sie Ihre Badewanne weiter benutzen wollen, können Sie diese mit den geeigneten Hilfsmitteln sicherer machen:
Haltegriffe: sind unbedingt notwendig und werden an der Wand angebracht. Handtuchhalter und Armaturen sind nicht als Haltegriffe geeignet!
Rutschfeste Badewannenmatte: rutschfeste Badematten sind ein Muss und im Sanitätsfachhandel in unterschiedlichen Ausführungen erhältlich. Achten Sie darauf, dass die Matte den ganzen Wannenboden bedeckt.
Badewannenbrett: das Badewannenbrett aus Kunststoff wird auf den Wannenrand aufgelegt und fixiert. Mit einer Hand halten sie sich am Haltegriff fest und setzen sich auf das Brett. Nun können Sie aus dem sicheren Sitz heraus Ihre Beine in die Wanne heben. Das Badewannenbrett eignet sich nur für Personen, welche frei sitzen können. Dies ist eine gute Möglichkeit um im Sitzen in der Wanne zu duschen.
Badewannenlifter: Der Badewannenlifter ist ein elektrisch gesteuerter Sitz mit Rückenlehne, welcher Sie vom Wannenrand in die Wanne hinunter und wieder hoch transportiert. Der Badewannenlifter ist sicherlich eine gute Alternative für pflegende Angehörige um eine Rückenschonende Pflege zu erleichtern. Wenn eine bescheinigte Invalidität vorliegt, kann der Badewannenlifter vom Facharzt als Hilfsmittel verordnet werden und ist dann kostenlos.


Tipp fünf: Die Dusche
Trotz der möglichen Anpassungsmaßnahmen in der Badewanne, sollten Sie im Rahmen einer Renovierung diese entfernen und lieber eine Dusche einzubauen. Das erfordert zwar einiges Umdenken und Ändern von Gewohnheiten, ist aber langfristig immer die sicherste Lösung.
Wie soll die Dusche ausgestattet werden?
Ausreichend Platz: Die Bodenfläche der Dusche sollte mindestens 100x120 cm betragen. Optimal sind 140x140 cm. Zu bedenken ist nicht nur eine ausreichende Bewegungsfläche für Sie selbst, sondern auch für jene Person die Ihnen beim Duschen behilflich ist. Wenn Sie auf einen Rollstuhl angewiesen sein sollten, brauchen Sie eine Bewegungsfläche von 140x140 cm.
Beschaffenheit der Duschfläche: Die Abdichtung des Unterbodens und das Verlegen rutschfester Fliessen oder eines rutschfesten PVC Bodens ist dem Einbau einer Duschtasse vorzuziehen. So können Sie absolut schwellenfrei in die Dusche gelangen. Im Duschplatz wird ein leichtes Gefälle für den zentralen Wasserabfluss eingebaut. Wird eine Duschtasse eingebaut, besteht immer eine kleine Schwelle von mindestens 2,5 cm. Duschtassen gibt es in verschiedenen Standartgrößen. Das heißt, dass Sie die Größe nicht genau auf Ihre Bedürfnisse abstimmen können. Bei Duschtassen ist auf die Rutschfestigkeit zu achten. Vermeiden Sie den Einbau einer nicht rutschfesten Duschtasse, denn diese müssen Sie nachträglich mit einer Antirutschmatte sichern.
Duschwände: Bei einer optimalen Größe von 140x140 cm können Duschwände eingebaut werden, denn Sie verfügen über ausreichend Bewegungsfläche. Ist der Duschplatz kleiner, kann an einer Seite eine fixe Duschwand, an der anderen ein Duschvorhang angebracht werden.


Tipp sechs: Ausstattung der Dusche mit Hilfsmitteln
Zu einer optimalen Ausstattung der Dusche gehört die Ausstattung mit Haltegriffen und einem Duschsitz. Wenn Sie ihre Dusche bereits mit einem rutschfesten Bodenbelag (Fliessen oder PVC Belag) ausgestattet haben brauchen Sie keine zusätzliche Antirutschmatte. Haltegriffe: Grundsätzlich gilt: alle Hilfsmittel müssen sicher vom Fachmann montiert werden. Handtuchhalter und Armaturen sind keine Haltegriffe. Ein Haltegriff muss ihr Körpergewicht tragen können. Wenn Sie sich auf Ihren Griff nicht verlassen können, ist es so als hätten Sie gar keinen.