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Infotagung 2017 in Bernau/Schwarzwald (D)

für alle Südtiroler Vereine und Verbände in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Am 23.09.17 trafen sich Delegierte der Südtiroler Vereine in Deutschland, Österreich und der Schweiz zur diesjährigen Infotagung in Bernau/Schwarzwald.
Im Mittelpunkt der Tagung standen Fragen zur Programmplanung, Organisation, Finanzierung und Vereinsführung sowie Referate über die Situation in Italien und Südtirol und zur Seligsprechung von Josef Mayr-Nusser.
Die Büroleiterin der Arbeitsstelle Bozen Rose Mayer informierte die Anwesenden über ihre Beratungstätigkeit, über anstehende Termine und Veranstaltungen, über Obliegenheiten im Zusammenhang mit Wohnungswechsel, Krankenversicherung und AIRE-Eintragung. In Bezug auf die Renten könne festgestellt werden – so Mayer -, dass die Patronate im Ausland ihre Arbeit gut erledigen, insbesondere in Innsbruck, wofür Christine Stieger Deutschmann ein großes Lob gebühre. Seit diesem Jahr sei auch die Homepage der Arbeitsstelle neu gestaltet worden. In diesem Zuge hätten auch die Vereine die Möglichkeit, ihre Tätigkeit auf einer eigenen Seite zu präsentieren.
Erich Achmüller gab einen Überblick über die aktuelle Situation in Italien und Südtirol. Bedauerlicherweise sei in Italien das Referendum zur Verfassungsreform von Ministerpräsident Renzi gescheitert. Ziel der Reform wäre es gewesen Italiens Polit-Apparat zu verschlanken und schneller zu machen. Doch das Referendum wurde zu einer Abstimmung über den ungeliebten Renzi selbst. Dieser musste seinen Hut nehmen und Italien blieb zurück mit seinen alten Problemen, mit seinem Zweikammernsystem, seiner kranken Justiz, seinem enormen Schuldenberg.
Die neue Regierung Gentiloni hängt am seidenen Faden. Der PD ist durch den Austritt der alten Garde um Bersani und D‘ Alema geschwächt. Die Rechtsparteien haben sich wieder erholt und die Fünf-Sterne Bewegung ist laut Umfragen mit ca. 30% zurzeit stärkste Partei. 2018 stehen Neuwahlen an. Der Ausgang ist ungewiss. Gegenwärtig wird noch an einem Wahlgesetz gebastelt. Jede Partei ist schaut dabei auf den eigenen Vorteil und weniger auf das Wohl des Landes. Somit dürfte es auch nach den nächsten Wahlen schwierig sein, tragfähige Mehrheiten zu finden.
Auch das Flüchtlingsproblem dürfte sich auf das Wahlergebnis auswirken. In letzter Zeit hat sich die Situation etwas entschärft. Italien hat nämlich ein Abkommen mit Libyen geschlossen und die Schlepperei einzuschränken. Dadurch kommen weniger Flüchtlinge übers Mittelmeer nach Italien
Zu Südtirol präsentierte Achmüller eine Reihe von statistischen Daten: Die Bevölkerung ist Ende 2016 auf über 524.000 gestiegen Gestiegen ist auch die Lebenserwartung: bei den Männern auf 80,8 und bei den Frauen auf 85,7 Jahre. Die Haushalte werden immer kleiner: 33% sind Alleinstehende. Die ausländischen Mitbürger machen mittlerweile 9% der Bevölkerung aus. Ein Drittel davon kommt aus EU-Ländern, ein weiteres Drittel aus anderen europäischen Staaten und ein Drittel aus Asien und Afrika.
Hinzu kommen ca. 1.700 Flüchtlinge, verteilt auf verschiedene Gemeinden. Die Sicherheitslage hat sich verschlechtert. Auf öffentlichen Verkehrsmitteln gab es Übergriffe auf Fahrer und Schaffner. Viele Flüchtlinge möchten nach Norden, sie werden aber durch die Polizei im Vorfeld abgefangen. Dadurch konnte der Brenners bis heute offen bleiben.
Wirtschaftlich geht es dem Land gut. Der Export ist auf einem Höchststand. Die Arbeitslosigkeit ist auf 3,3% gesunken. Der Tourismus boomt und dürfte dieses Jahr auf 33 Mio. Übernachtungen klettern, die Obst- und Weinernte ist trotz Unwetterschäden noch gut ausgefallen. Die Preise stimmen.
Sorgen bereiten Bären und Wölfe. Es hat zahlreiche Risse von Herdentieren gegeben. Unter dem Druck der Bauern beschloss die Landesregierung aus dem „Ursus“-Projekt auszutreten und bei der EU einzufordern, dass der Schutz der Wölfe aufgehoben wird.
2018 stehen Landtagswahlen an. Die SVP möchte wieder die absolute Mehrheit erreichen. Sie setzt weiterhin auf die Autonomie und die Europaregion Tirol. Sie verweist auf die Fortschritte, die in den letzten Jahren erzielt werden konnten: das neue Finanzabkommen (Garantiepakt), mehr Finanzen und Sendezeiten für die RAI-Südtirol, das Abkommen betreffend die Post, der Stilfserjoch-Nationalpark zum Land, mehr Kompetenzen im Bereich der Jagd, der Urbanistik und des Handels.
Die Freiheitlichen und die Südtiroler Freiheit wollen „los von Italien“.
In nächster Zukunft stehen große Projekte an: so die Elektrifizierung der Vinschgerbahn, der Bau der Riggertalschleife, die Potenzierung der Linie Bozen-Meran, der Ausbau der Bahnhöfe von Brixen und Bruneck zu großen Mobilitätszentren, die Umfahrung von Meran.
Hinzukommen wird die Realisierung des Benko-Projektes in Bozen, d.h. die Neuverbauung des ganzen Stadtviertels Nähe Bahnhof.
Im Techpark NOI in Bozen Süd werden künftig 60 Firmen forschen und arbeiten.
Im Rahmen des Autonomiekonvents werden zurzeit Ideen für die Weiterentwicklung Südtirols geschmiedet.
Herbert Denicolò, ehemaliges Vorstandsmitglied der Arbeitsstelle für Südtiroler in der Welt, hielt einen sehr interessanten Vortrag über das Leben von „Josef Mayr-Nusser“. Am 18. März diesen Jahres wurde der Bozner Josef Mayr-Nusser im Dom seiner Heimatstadt selig gesprochen.
Mehr Informationen über Mayr-Nusser können Sie in der Aprilausgabe der „Heimat & Welt“ nachlesen.

Erich Achmüller