30 Teilnehmer trafen sich am Samstag, den 24. April 2010 im Hotel „Post Gries“ in Bozen und freuten sich auf eine interessante, gemeinsame Woche, deren Ablauf am Abend von Rosa Franzelin vorgestellt wurde.
Am Sonntagvormittag trafen wir uns vor dem Rathaus und Konrad Peer (KVW Vorsitzender) brachte uns bei einem Rundgang seine Heimatstadt näher. Bemerkenswert war der Besuch des Kirchlein St. Johann im Dorfe, die mit Fresken von lokalen Meistern ausgestattet, mit Einflüssen der Giotto-Schule verschmelzen. Im Kreuzgang der Franziskanerkirche sind ebenfalls Fresken von Giotto zu bewundern. In der Kirche beeindrucken die modernen Glasfenster. Am Nachmittag besichtigte ein Teil der Gruppe das Archäologiemuseum und die anderen das Museum für moderne Kunst, das Museion.
Mit der neuen Umlaufbahn fuhren wir am Montag auf den Ritten nach Oberbozen und von dort mit der alten Rittnerbahn bis Rappersbühel. Wir wanderten auf der Freudpromenade zum Haus der Familie. Robert Kaserer überraschte uns beim Spaziergang mit einem Becher Weißwein zum Halbmittag. Den Weißburgunder hatte er in seinem Rucksack verstaut. In Lichtenstern bewunderten wir die renovierte Gedenkstätte von Josef Mayr-Nusser und Direktor Duregger stellte die Aufgaben des Hauses der Familie vor, wo wir noch eine Agape bekamen. Nach einer kleinen Wanderung besuchten wir den über 600 Jahre alten Plattnerhof in Wolfsgruben der ein Bienenmuseum beherbergt, wo wir in die süße Kunst des Honigmachens eingeführt wurden. Am Nachmittag führte uns Alt-Dekan Johannes Noisternigg durch „seine“ Domschatzkammer, in der wertvolle Gegenstände sakraler Kunst zu sehen sind.
Am Dienstag besuchten wir Schloss Runkelstein, die Bilderburg, wie sie wegen des größten erhaltenen Freskenzyklus auch genannt wird. Das Schloss gehört der Stadt Bozen und „Schlossherr“ Dr. Rizzolli hat und herzlich willkommen geheißen. Bei einer Führung bestaunten wir die gut erhaltenen Fresken aus dem Mittelalter und bestaunten die laufende Ausstellung „Homo Sedens -Sitzkultur in Tirol“. Landtagsabgeordnete Dr. Martha Stocker führte uns im Landtag in die politische Vergangenheit und in die heutige tägliche Arbeit der Landesregierung ein. Eine kurze Diskussion und ein Umtunk rundete diesen informativen Nachmittag ab.
Durch die romantische Porphyrschlucht fuhren wir am Mittwoch ins Sarntal. Die Gemeinde Sarntal kaufte über Umwegen den alten Bauernhof das „Rohrerhaus“. Der Ansitz wurde schon 1288 erwähnt und nun kann man dort die Geschichte der Sarner erleben. Am Nachmittag gingen wir durch das Dorf, besichtigten die Pfarrkirche und bestaunten den Freskenzyklus der St. Cypriankirche am Dorfrand. Die Sarner haben sich ihre Tradition bewahrt und so sieht man heute noch die Bewohner zu den verschiedensten Gelegenheiten in ihren schmucken alten Trachten. Am Abend saßen wir mit Erich Achmüller, Vorstandsvorsitzender der „Südtiroler in der Welt“ gemütlich bei Gesang zusammen. Rosa Franzelin hatte eine Überraschung parat. Maria Sulzer, die bekannte Sängerin und Jodlerin, und Alfred Sagmeister aus Lana haben uns mit ihrem Programm bestens unterhalten.
Schloss Sigmundskron, der geschichtsträchtige Ort für Südtirol stand am Donnerstag auf dem Programm. Am 17. November 1957 fand unter der Führung von Silvius Magnago die größte Protestkundgebung des Landes statt. Über 30.000 Südtiroler versammelten sich um gegen die Nichteinhaltung des Pariser Vertrages zu protestieren und eine eigene Autonomie einzufordern. 1996 ging die Burg in den Besitz des Landes über. Im Juni 2006 wurde das Messner Mountain Museum Firmian eröffnet. Viele Ausstellungstücke von Messners Expeditionen versetzen den Besucher in eine andere Welt. Im „Weißen Turm“ wird das Schicksal Südtirols anschaulich dargestellt. Am Nachmittag stand ein besonderes Zuckerl auf dem Programm. Nach einer interessanten Einführung durch Dr. Zelger in die umfangreiche Forschung und Tätigkeit der landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Laimburg wurde uns der Besuch des Felsenkellers ermöglicht. Im berühmtesten Keller des Landes, der als Repräsentationsraum der Südtiroler Landesregierung dient, werden edle Weine aus der ganzen Welt gelagert. Eine Weinverkostung in diesem imposanten Ambiente rundete diesen Tag ab.
Am Freitag besuchten wir die Stiftskirche, das Benediktinerkloster und die bekannte Kellerei Muri-Gries. Die barocke Stiftskirche ist dem Hl. Augustinus geweiht. Die Klosteranlage wurde 1407 von den Habsburgern den Augustiner Chorherren geschenkt, nachdem deren Kloster in der Au durch eine Überschwemmung zerstört wurde. Diese Ausgrabungen sieht man in „Maria in der Au“. Seit 1845 wirken hier die Benediktiner aus Muri in der Schweiz. Mit einem guten Glas Weißburgunder verabschiedete sich Abt Benno von Malfèr, der uns durch die Anlage führte. Die alte Grieser Pfarrkirche im spätgotischen Stil ist ein krasser Gegensatz zur Stiftskirche. In der Pfarrkirche befindet sich ein romanisches Kruzifix aus dem 13. Jh. und der gotische Flügelaltar von Michael Pacher.
Als Präsidentin des Wohnbauinstituts hat Rosa Franzelin einen Stadtteil in „Maria in der Au“
mit ca. 1.700 Wohnungen gebaut, bemerkenswert die Anlage ist Autofrei. Für die zunehmende deutsche Bevölkerung in einem italienischen Viertel von Bozen setze sich Rosa Franzelin nachdrücklich für ein kirchliches Zentrum ein. Im Jahr 2000 wurde die Kirche „Mutter vom guten Rat“ feierlich geweiht und das Pfarrzentrum „Maria in der Au“ gesegnet.
Wir gingen am Nachmittag durch diese Anlage und kamen aus dem Staunen über das Durchsetzungsvermögen von Rosa Franzelin nicht heraus. Am Abend saßen wir noch gemütlich beisammen und ließen diese eindrucksvolle Woche Revue passieren.
Dank der perfekten Organisation und Vorbereitung von Rosa Franzelin ,die uns mit Robert Kaserer die ganze Woche begleitete wurde diese zu einem ganz besonderen Erlebnis. Im Namen aller Teilnehmer möchte ich mich nochmals ganz herzlich bedanken.
Viele freuen sich auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr, wenn es vielleicht heißt Kulturwoche „Bozner Unterland und Überetsch“.
Hermine Gantschnigg