

Jahresthema der Frauen im KVW 2011/2012
Das Bruttosozialprodukt erfasst alle Güter und Dienstleistungen, die für den Markt erbracht werden, d. h., für die ein Preis bezahlt wird. Alle unentgeltlich erledigten Arbeiten werden ausgeklammert. Da ein großer Teil der unbezahlten Arbeit von Frauen verrichtet wird, wird dadurch der weibliche Beitrag für den Wohlstand der Gesellschaft systematisch unterschätzt. Das Bundesamt für Statistik der Schweiz erhebt seit 1997 das Ausmaß der unentgeltlichen Arbeit. Diese beträgt in der Schweiz ca 60 % des Bruttosozialproduktes. Etwa zwei Drittel davon werden von Frauen geleistet.
Arbeit ist mehr als Erwerbsarbeit. Familienarbeit und Gemeinwohlarbeit müssen gesellschaftlich aufgewertet werden, denn zum Gelingen des gesellschaftlichen Zusammenlebens sind sie unabdingbar und mindestens ebensowertvoll. Der bisher nichtentlohnte Bereich der Familienarbeit und der Gemeinwohlarbeit muss gesellschaftlich wie auch finanziell anerkannt werden. Wenn wir die Gesellschaft und nicht nur die Wirtschaft stärken wollen, müssen wir genau hier ansetzen um ein qualitatives und nicht nur quantitatives Wachstum zu erreichen.
Darum setzen wir uns ein für:
- Gesellschaftliche Aufwertung unbezahlter Arbeit
- Ausreichende finanzielle und rentenmäßige Anerkennung unbezahlter Arbeit
- Eine gleichmäßige Verteilung der unbezahlten Arbeit auf Frauen UND Männer
Equal Pay Day war ein voller Erfolg!
An Informationsständen in allen Landesteilen wurde am 15. April 2011 zum Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen aufgeklärt, Gespräche geführt, Informationen gegeben und die symbolischen roten Taschen verteilt.
Frauen verdienen im EU-weiten Durchschnitt immer noch 17 % weniger als Männer. Anders gesagt: Frauen müssen im Durchschnitt 15 Monate lang arbeiten um auf das Jahresgehalt eines Mannes zu kommen. Darum stellten sich am 15. April, dem Tag an dem Frauen endlich so viel verdient haben wie ihre männlichen Kollegen im Vorjahr, die KVW Frauen gemeinsam mit dem Landesbeirat für Chancengleichheit der Aufgabe, auf dieses Missverhältnis hinzuweisen und Information und rote Taschen an die Frau und an den Mann zu bringen.
Die Gründe des Lohnunterschiedes sind divers und Ihre Auswirkungen oft fatal. Nicht nur Mutterschaftszeiten allein, sondern vor allem die vorherrschende Einstellung, dass Familien- und Hausarbeit automatisch „Frauensache“ sei, beeinträchtigen die Verdienstmöglichkeiten von Frauen. Wäre die gleichmäßige Aufteilung von Erziehungs- und Hausarbeit zwischen Männern und Frauen eine Selbstverständlichkeit, hätten Arbeitgeber keinen Grund, Frauen bei Einstellung oder Beförderung eher zu übergehen. Die gleichmäßige Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit, bzw. Aufwertung, ausreichende Unterstützung und rentenmäßige Anerkennung der Familienarbeit, sind Voraussetzungen um Frauen vor den riskanten Auswirkungen der geringeren Bezahlung zu schützen: nämlich einer Rente, die nicht zum Leben reicht. Es darf nicht sein, dass auf ein arbeitsreiches Leben ein Alter in Armut folgt!
An den Informationsständen in allen Landesteilen waren die Informationsbroschüren schnell vergriffen und die knallroten Taschen, Symbol für die roten Zahle in den Geldtaschen der Frauen, heiß begehrt. Gespräche und Befragungen zeigten, dass die Menschen über die Lohnungleichheit, deren Gründe und Auswirkungen zwar unterschiedlich gut informiert sind, aber Frauen und Männer sich einig sind: Die Arbeit von Frauen ist gleich viel wert wie die der Männer, wird aber leider noch immer schlechter bezahlt. Die Gehaltschere im Auge zu behalten und auf ihre Schließung hinzuarbeiten bleibt auch in Zukunft eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen.

1992 schlossen sich verantwortliche Frauen aus den deutschsprachigen Verbänden der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegungen KAB Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und dem Katholischen Verband der Werktätigen KVW Südtirol zusammen, um die Frau-enperspektive stärker in die nationale und internationale Verbandsarbeit einzubringen.
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