Ältere Menschen kommen immer wieder zu Sturz. Laut einer Studie des italienischen Gesundheitsministeriums gehören Stürze zu den häufigsten unerwünschten Ereignissen in Gesundheits- und Sozialeinrichtungen. Der Südtiroler Sanitätsbetrieb will den Betroffenen und dem Pflegepersonal jetzt konkrete Hilfeleistung bieten. Die entsprechende Leitlinie „Sturzprävention“ ist u.a. auch von den Fachleuten der Arche im KVW erarbeitet worden.
Die Leitlinie „Sturzprävention“ beinhaltet Empfehlungen zur frühzeitigen Erkennung von sturzgefährdeten Menschen. Gleichzeitig werden wirksame präventive Maßnahmen und Vorschläge zur Vermeidung von Stürzen aufgezeigt. Die Leitlinie richtet sich an alle Berufsgruppen, die in der Prävention, Pflege, Betreuung, Behandlung und Rehabilitation von sturzgefährdeten Menschen in Akut- und Langzeiteinrichtungen tätig sind. Ausgearbeitet wurden die zahlreichen Vorschläge von einer Arbeitsgruppe, welche sich aus Fachleuten aus unterschiedlichen Bereichen zusammensetzt. Auch Franziska Schink und Lisa Mauroner von der Arche im KVW haben in der Arbeitsgruppe mitgewirkt. An der Ausarbeitung der Leitlinie wurde eineinhalb Jahre lang gearbeitet.
Schritt für Schritt
Der erste Schritt im Rahmen der Sturzprävention ist die Identifikation sturzgefährdeter Betreuter. Das Gesundheits- und Pflegepersonal sollte entsprechende Informationen über die bestehenden Sturzrisikofaktoren und über mögliche Sturzereignisse erhalten. Wichtig ist auch, dass Stürze von Betreuten entsprechend dokumentiert werden. Laut Erhebungen besteht ein erhöhtes Sturzrisiko u.a. für Personen im hohen Alter, bei Frauen mit Östrogenmangel oder geringer Knochendichte. Sturzgefährdet sind auch Personen mit akuten Erkrankungen, Mangelernährung, Inkontinenz oder auch Betreute mit kognitiven Einschränkungen sowie eingeschränkter Sehfähigkeit. Sobald die Risikopersonen erhoben sind, können die entsprechenden Interventionen angegangen werden.
Individuelle Intervention
Die Maßnahmen zur Sturzprävention sind so unterschiedlich, wie es die individuellen Fähigkeiten und Vorstellungen der Betreuten sind. Möglichkeiten zur Sturzprävention reichen von einer Bewegungstherapie, Gehhilfen, Fußpflege oder verstärkter Aufklärung über vermehrte Obsorge und Kontrolle bis hin zur Anbringung von Sicherheitsvorrichtungen. Auch die umgebungsbezogenen Risikofaktoren sollten möglichst reduziert werden, dies ist u.a. durch folgende Maßnahmen möglich: Tragen von Stoppersocken, Anpassung der Betten an die Bedürfnisse der Betreuten, adäquates Schuhwerk bzw. Kleidung, gute Beleuchtung oder die Schaffung freier Bewegungsbahnen für die Betreuten.
Information und Aufklärung
Um eine möglichste effiziente Sturzprävention zu erzielen ist es auch wichtig die MitarbeiterInnen der Akut- und Langzeiteinrichtungen über Risikofaktoren, Gefahrenquellen, präventive Maßnahmen und das Verhalten bei Stürzen aufzuklären. Entsprechend sollten auch die Betreuten und die Angehörigen informiert werden. Mit der kürzlich vorgestellten Leitlinie soll die Zahl der relativ häufigen Stürze reduziert werden, immerhin stürzt durchschnittlich fast jede dritte Person über 65 Jahren mindestens einmal jährlich. Die Hälfte davon sogar zwei- oder mehrmals im Jahr. Diese vielen Stürze führen zu Verletzungen, die die Mobilität und Unabhängigkeit einschränken oder sogar zu einer erhöhten Sterblichkeit führen können. Darüber hinaus entstehen durch die Stürze erhebliche Kosten im Sozial- und Gesundheitswesen. Mit der neuen Leitlinie zur Sturzprävention möchte der Südtiroler Sanitätsbetrieb dem entgegen wirken. Weitere Informationen gibt es auch in der Arche im KVW: Arche, Beda-Weber-Straße 1, 39100 Bozen, Telefon: Tel. 0471 061300, E-Mail: info@arche-kvw.org