Ist es möglich in Ortskernen ein altes Gebäude für den geförderten Wohnbau zu verwenden? Die Antwort auf diese Frage lautet seit geraumer Zeit: Ja. Dank einer Änderung im Landes- Wohnbauförderungsgesetz kann zukünftig in Ortskernen bestehendes Bauvolumen für den geförderten Wohnbau genutzt werden. In Mals, im Vinschgau, hat die Arche im KVW ein Pilotprojekt diesbezüglich mitgestaltet.
Seit dieser Gesetzesartikel im Jänner 2010, auf Intervention der Vinschger Politiker verabschiedet wurde, tun sich für Südtirols Gemeinden neue Wege auf. Bisher mussten die Gemeinden tatenlos zusehen wie immer wieder Ortskerne entweder Opfer von Spekulanten oder an meist ortsfremde finanzkräftige Interessenten verkauft wurden. Hat niemand Interesse an den Gebäuden gezeigt, sind oft viele Gebäude verfallen. Wollten junge ortsansässige Familien bauen, so mussten sie in Erweiterungszonen ausgesiedelt werden. Diese Entwicklung wirkte sich oft sehr negativ auf das Dorf- und Vereinsleben aus. Diesem Phänomen kann jetzt entgegengewirkt werden.
In Zukunft haben Südtirols Gemeinden die Möglichkeit, interessante Wohn- und Wirtschaftsgebäude in Wohngebäude für den geförderten Wohnbau umzuwandeln. Diese Zukunft hat in Mals bereits begonnen. Die Gemeinde hat geeignete Bestände ausfindig gemacht und alle notwendigen Vorkehrungen getroffen, um sie für den Wohnbau nutzen zu können. Das Ergebnis sind Wohnmöglichkeiten in besten Lagen zu interessanten Preisen. Besonders die unmittelbare Nähe zu Kindergarten, Schule, Geschäften, sozialen und sanitären Einrichtungen und meist auch zur Herkunftsfamilie hat einen enorm hohen Wert.
Die Arche im KVW setzt sich seit Jahren dafür ein, dass bestehende Gebäude in Ortskernen für den geförderten Wohnbau genutzt werden können. Arche- Referatsleiter Leonhard Resch: „Wir sind davon überzeugt, dass dadurch das Landschafts- und Dorfbild profitieren kann. Vor allem entsteht dadurch die Möglichkeit, dass Familien näher beisammen bleiben können. Es ist für uns einen große Freude zu sehen, dass Mals bereits erste Schritte in die Richtung dieser Wohnbaupolitik gesetzt hat.“ Weitere Informationen gibt es bei der Arche im KVW (Tel. 0471/061300, E-Mail: info@arche-kvw.org oder www.kvw.org
3 Fragen an den Bürgermeister von Mals, Ulrich Veith:
Warum ist Mals für die Wiedergewinnung alter Bausubstanz im Dorfkern?
In den letzten Jahrzehnten wurden viele neue Wohnbauzonen ausgewiesen. Diese befinden sich teilweise weit vom Zentrum entfernt. Das führt dazu, dass sich das Leben vom Zentrum weg in die Peripherie der Dörfer verschiebt. Leere, verlassene Wohnhäuser in den Zentren sind die Folge. Die Bürger müssen aufgrund der Distanz aufs Auto zurückgreifen, um Behördengänge oder Einkäufe zu tätigen. Das führt zu mehr Verkehr und weniger Lebensqualität in den Zentren.
Weiters wurde viel Kulturgrund für die Wohnbauzonen hergenommen. Dieser fehlt heute der Landwirtschaft. Nicht zu vernachlässigen sind die Folgekosten für die Gemeindeverwaltung. Die Infrastrukturen (Beleuchtung, Trinkwasser, Abwasser, Oberflächenwasser, Straßen usw.) in den neuen Zonen müssen gewartet und gegebenenfalls repariert werden. Aber auch jene im Zentrum müssen erhalten werden, obwohl immer weniger Menschen dort leben.
Gibt es in Mals konkrete Gebäude, die für den geförderten Wohnbau zur Verfügung stehen?
Ja, wir haben bereits Gebäude ausgesucht, welche wir für den geförderten Wohnbau umbauen wollen. Auch in den Fraktionen von Mals gäbe es Möglichkeiten.
Was erhofft sich Mals von dieser neuen Möglichkeit?
Wir werden mit einem Architekten ein Vorzeigeprojekt realisieren, um zu zeigen welche Qualität das Wohnen im Zentrum haben kann. Wir hoffen, dass Bürger dann die Qualität erkennen und dieses neue Angebot nutzen. Dadurch werden die Dorfzentren belebt, aufgewertet und attraktiv.