Bildung, Arbeit, Rente und Ehrenamt als große Stationen
KVW Landesvorsitzender Konrad Peer stellte seine Rede auf der heutigen Landesversammlung unter das Motto „Auf dem Weg“. Allgemein wurde festgestellt, dass der KVW auf dem richtigen Weg ist. Sowohl Generalvikar Josef Matzneller als auch Landesrätin Sabina Kasslatter Mur und Landesrat Richard Theiner sprachen dem größten Sozialverband ihren Dank aus. Generalvikar Matzneller dankte dem Katholischen Verband der Werktätigen dafür, dass er das soziale Gewissen im Lande sei, gleichzeitig sprach er auch die Bitte aus, nicht nachzulassen und dies auch weiterhin zu bleiben. „Unser Land und die Ortskirche brauchen den KVW“, so Matzneller. Er stehe für andere Werte als die, die in der Ellbogengesellschaft gelten, und auch im Gegensatz zur Anspruchsgesellschaft mit ihren Forderungen nach immer mehr.
Konrad Peer, auf Halbweg seiner vierjährigen Amtszeit als Landesvorsitzender des Katholischen Verbands der Werktätigen, machte in seiner Rede bei vier großen, für den KVW wichtigen Themen Halt: der Bildung, der Arbeit, der Rente und dem Ehrenamt. Trotz der Forderungen nach mehr Fachwissen, ist für den KVW die Allgemeinbildung in den Schulen sehr wichtig, ebenso die religiöse, soziale und musische Bildung. Ernst zu nehmen seien auch die Ergebnisse der Jugendstudie, nach der drei Viertel der über 14-Jährigen einen großen Leistungsdruck verspüren.
Wenn Südtirol auch verhältnismäßig gut dastehe, ist „gute Arbeit“ auch bei uns nicht selbstverständlich, so Konrad Peer. Dies spüren vor allem junge Akademiker, die sich schwer tun, eine entsprechende Arbeit zu finden. Prekäre Arbeitsverhältnisse, Kurzarbeit, Arbeit auf Abruf, Projektverträge usw. verunsichern und erschweren das Planen der Zukunft. Ziel solle es sein, dass jede und jeder ein Auskommen mit dem Einkommen hat.
Einen Halt machte Landesvorsitzender Konrad Peer bei der Rente. Zum einen gehe es darum, mit einer Zusatzrente ein zweites Standbein zu schaffen. Dafür bietet der KVW in seinen Patronaten einen wichtigen Beratungsdienst an. Zum anderen erklärte Peer auch, warum der KVW die Forderung nach einer Anhebung der Mindestrente auch 750 Euro nicht unterstütze. Er nannte dafür verschiedene Argumente, so sei es all jenen gegenüber ungerecht, die einzahlen und die 750 Euro gerade erreichen und es sei ungerecht, da es sich nicht nach der Bedürftigkeit richte. So würden bei einer Anhebung Besitz und Vermögen nicht berücksichtigt. Eine Aufstockung sei auch nicht dazu angetan, die Einzahlungsmoral zu heben und der Vorschlag käme vor allem jenen zugute, die wenig in die Rentenkassen einzahlen.
Ein Verband mit über 2000 Ehrenamtlichen müsse sich gerade im heurigen Jahr der Freiwilligentätigkeit auch beim Ehrenamt ein bisschen aufhalten, meinte Konrad Peer. Er stellte drei Forderungen auf, um Ehrenamt weiter zu ermöglichen und die vielen Freiwilligen zu schützen. Die Rahmenbedingungen müssen finanzielle Sicherheit zulassen, es brauche eine Entbürokratisierung und eine größtmögliche Rechtssicherheit, vor allem was die Arbeitssicherheit, den Datenschutz und die Steuern betrifft.
Landesrat Richard Theiner erinnerte daran, dass gerade heute die ersten Menschen aus Nordafrika über Lampedusa nach Südtirol kämen. Er lobte den KVW dafür, dass er sich seiner christlich-sozialen Wurzeln stets besinne und lud dazu ein, weiterhin gemeinsam auf dem Weg zu bleiben, im Interesse all jener, die Hilfe brauchen.
Den Lebensbogen geschlossen sieht Sabina Kasslatter Mur, wenn der KVW nun auch wieder eine Jugendorganisation hat: so reicht der wertvolle Einsatz des KVW von der Jugend bis zu den Senioren. Die Zukunft der Gesellschaft entscheidet sich an Bildung, Aufstiegschancen und sozialem Zusammenhalt, erklärte die Landesrätin. Wenn dies unabhängig davon möglich sei, wo jemand wohne (Dorf, Stadt) und wie dick die Brieftasche der Eltern sei, dann seien dies Solidarität und Gerechtigkeit. „Der KVW hat stets jene Menschen in den Vordergrund gestellt, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind“, so Kasslatter.
KVW Jugendvorsitzender Christian Bassani moderierte die 26. Landesversammlung im Waltherhaus, zu der zahlreiche VertreterInnen aus den 250 Ortsgruppen im ganzen Land nach Bozen gekommen sind; die Frauensinggruppe Gries sorgte für musikalische Unterhaltung des Vormittags.