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"Verantwortung und Wirtschaft"

 

Diskussionsrunde

Die diesjährigen Aktionstage Politische Bildung stehen unter dem Motto „Verantwortung
übernehmen!“. Eine der vielen Initiativen, die auch heuer wieder zwischen Mitte April und
Mitte Mai stattfinden, war die Diskussionsrunde zum Thema „Verantwortung und Wirtschaft". KVW Bildung und KVW Live hatten zusammen mit der Projektgruppe der Aktionstage Politische Bildung den Abend am 28. April im Nikolaussaal in Meran organisiert. 


Der „Fish-Bowl“, der sich als spannende und „demokratisierende“ Methode erwies, konzentrierte sich in der ersten Runde auf die ExpertInnen.
Martin Haller, Vizepräsident des LVH eröffnete die Diskussion mit der Feststellung, dass in der Wirtschaft derzeit ein Umdenken stattfinde und dass eine Rückbesinnung aufs Wesentliche im Gange sei. „Auch bei uns im Verband gibt es Veränderung!“, bestätigte Haller.
Die Sonderstellung einer No-Profit-Organisation hob Silvia Pitscheider von der Organisation für Eine Solidarische Welt hervor: Man habe den gesellschaftlichen Profit vor Augen, das Ziel sei nicht das „Ständig Mehr“, sondern sehr viel eher das „Gute Leben“, so Silvia Pitscheider.
Josef Prader, Gründer der ersten Südtiroler Privatbank, unterstrich, dass auch im Bankgeschäft die Beziehung und das Vertrauen im Mittelpunkt des Geldgeschäfts zu stehen habe. „Das kann niemals outgesourct werden!“, betonte Prader, der auch überzeugt ist, dass es „gerade nach der Krise zu wenig ist, wenn man nur auf Gewinnmaximierung setzt“.
Auf die vielen Widersprüchlichkeiten des Systems wies Sepp Stricker, geistlicher Assistent im KVW und ehemaliger Gewerkschafter, hin. Einerseits sei uns bewusst geworden, dass wir nicht mehr ständig wachsen können, andererseits gehe es der Unternehmerseite weiterhin vor allem um quantitatives Wachstum und kurzfristigen Gewinn. „Das Menschsein aber hängt am Schutz der Schwachen!“, beharrt Sepp Stricker.
Als Vertreter der jüngeren Generation war der aus dem Kosovo stammende Oberschüler Selvin Severi anwesend. Er befand, dass die derzeitigen Erwachsenen nicht verantwortungsvoll und in Achtung der Nachkommenschaft agieren würden. Aufgrund seiner persönlichen Erfahrung ist der erste Wert, den Selvin für die Zukunft anstrebt, der Frieden.
Günther Reifer ist vor einiger Zeit von der „klassischen“ Wirtschaft in den Sektor der
Nachhaltigkeit gewechselt, gerade weil er von der neuen Art der Beziehungen und von
Kooperations- bzw. Beteiligungsmodellen fasziniert war. Reifer unterstrich, dass sich der Markt nach der Nachfrage richte und somit die Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung
wesentlich bei den VerbraucherInnen liege.
Die anschließende Diskussion mit den übrigen Anwesenden war anregend und durchaus
kontrovers, wenn es etwa um die Verantwortung der Banken, die künstliche Erzeugung von
Bedürfnissen, die Bedeutung der sozialen Marktwirtschaft, die Verteilung von Verantwortung in
der so genannten Sozialpartnerschaft und grundsätzlich um die Definition von „Wohlstand“ oder „Wirtschaft“ ging. Als Knackpunkt des Themas kristallisierte sich das fatale Diktat vom ständigen Wachstum heraus, das gerade durch die Finanzkrise immer mehr in Frage gestellt wird. Einig waren sich die DiskutantInnen in der Feststellung, dass nunmehr ein neues Motto zu gelten hat, nämlich: Wer nicht auf die soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit denkt, hat auf dem Markt langfristig keine Chance mehr.

Vor diesem Hintergrund ist Veränderung nicht nur nötig, sondern vielleicht auch möglich.