Seit zwei Jahren läuft in Südtirol das Pilotprojekt zur Weiterbildung von Handwerkern an der Landesberufsschule für Handel, Handwerk und Industrie, „Luis Zuegg“ in Meran mit dem Ziel, Berater für generationenübergreifendes Einrichten auszubilden. Am Projekt mitgewirkt hat auch die Arche im KVW. Wir haben dazu mit Projektleiterin Lisa Mauroner gesprochen…..
Frau Mauroner, wie kam es zu diesem Projekt?
Lisa Mauroner: Die Idee zur Kooperation war nach einer Tagung in der Landesberufsschule 2008 entstanden. Wir haben damals festgestellt, dass sich vermehrt auch Handwerker für das Thema der barrierefreien Architektur und besonders der barrierefreien Einrichtung interessieren, schließlich ist dies ein Markt mit Zukunft. Nach ersten Gesprächen hat die Landesberufsschule ein Konzept für einen Weiterbildungslehrgang für Handwerksbetriebe ausgearbeitet, immer in Zusammenarbeit mit der Arche im KVW und der SiMo (Beratungs- und Dokumentationszentrum zum Abbau von Architektonischen Hindernissen und für Sicheres Wohnen im Alter).
Was haben die Handwerker im Rahmen des Weiterbildungslehrganges gelernt?
L. M.: Ziel war es die teilnehmenden Handwerker zu Beratern auszubilden. Die Handwerker konnten sich entsprechende Kenntnisse aneignen, damit sie Senioren und Menschen mit Einschränkungen individuelle Einrichtungs- Lösungen anbieten können. Gleichzeitig können die Lehrgangsteilnehmer ihr erworbenes Wissen als Multiplikatoren anderen Handwerksbetrieben weitergeben.
Wie können diese neu ausgebildeten Berater für generationenübergreifendes Einrichten den Senioren und/oder Menschen mit Einschränkungen helfen?
L. M.: Schwerpunkt der Ausbildung war es die Bedürfnisse der „neuen Kunden“ zu erfahren und deren Selbstständigkeit im Alltag zu fördern. Dadurch sollen individuelle Lösungen für Menschen mit Einschränkungen gefunden und umgesetzt werden. Die Teilnehmer haben im Lehrgang vor allem planerische Fähigkeiten erworben. Sie können interessierten Mitbürgern empfehlen, wie sie mit Wohnungsflächen umgehen können, wie sie eine Wohnung oder ein Haus völlig frei zugänglich oder befahrbar machen können. Gleichzeitig können die Berater auch wertvolle Tipps geben, was die Umrüstung z.B. von Bädern oder Küchen angeht. Die Berater können beispielsweise Lösungen aufzeigen für Küchen- Oberschränke, die auch vom Rollstuhl aus erreichbar sind, gleiches gilt für Elektrohaushaltsgeräte, die auch von Senioren oder Menschen mit Einschränkungen bedient werden können.
Sind solche Anpassungen oder Umrüstungen von Wohnungen/Häusern aufwändig?
L. M. : Das hängt von jeder einzelnen Wohnsituation und von der jeweiligen Einschränkung der Bewohner ab. Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass es nicht immer viel braucht. Die neu ausgebildeten Berater für generationenübergreifendes Einrichten haben sich auch mit der Kostenfrage der Umrüstung beschäftigt. Die Wohnung muss nicht unbedingt mit hochtechnologischer Ausrüstung ausgestattet werden, es reicht manchmal eine gute Planung. Wird gut geplant, dann halten sich auch die Kosten in Grenzen.
Der Lehrgang „Einrichten – generationenübergreifend“ für Tischler, Installateure und Elektrotechniker hat im Ausland für ein positives Echo gesorgt. Wird das Südtiroler Pilotprojekt fortgesetzt?
L. M. : Das Interesse vonseiten der Handwerker ist auf alle Fälle da. Auch deshalb ist ein ähnlicher Ausbildungslehrgang bereits in Planung. Die Landesberufsschule „Luis Zuegg“ arbeitet seit geraumer Zeit an einem entsprechenden Konzept.